Volkan Isbert über seinen Einstieg bei "Alles was zählt"

Foto: Jovan Evermann Interview: RTL-Presse

 

Volkan Isbert wird ab dem 28. Dezember in der Rolle des "Can Öztürk" bei "Alles was zählt" zu sehen sein. Can ist der Neffe von Marian und wird für einigen Wirbel in Essen sorgen. Im Interview verrät euch Volkan unter anderem, was ihn von seiner Rolle unterscheidet.


Volkan, du bist der erste „echte“ Türke, der bei „Alles was zählt“ einen Türken spielt. Wie schwer hat man es heutzutage als Türke in Deutschland?
Grundsätzlich muss man die Frage klären, was ist Türkisch und was ist Deutsch? Das Türkische und das Deutsche sind ja Sprachbezeichnungen. Da beide Sprachen meine Muttersprachen sind, kann ich auch beide korrekt sprechen und fühle mich auch in beiden Kulturen wohl. Man merkt es halt optisch, weil ich nicht „klassisch Deutsch“ aussehe, also nicht blond und blauäugig bin, und mich die Leute aufgrund meines Aussehens natürlich als Ausländisch wahrnehmen. Um auf AWZ zurück zu kommen: In der Medienlandschaft sind wir leider noch nicht multikulturell. Auf der einen Seite schon, weil Nicht-Türken (wie bei AWZ zum Beispiel) Türken spielen, aber Türken spielen in der Regel keine Deutschen. Wenn, dann spielen sie andere Ausländer. Mir ist es überhaupt nicht wichtig, welche Nationalität ein Mensch hat, woher ein Mensch kommt. Es ist schön, Wissen und sich über kulturelle Dinge auszutauschen, aber nur aus Interesse und Neugier über das Unbekannte. Meine Rolle Can kommt wahrscheinlich ja schon aus einem Stadtteil von Duisburg, wo das unterschieden wird, wo übermäßig viele türkische Menschen wohnen, die sich dann auch als Türken in Deutschland fühlen und nicht als Deutsch-Türken wie ich. Can fühlt sich also als Türke und ist auch einer und möchte auch nicht als Deutscher gesehen werden.

Was hast du über AWZ gedacht, als du die Anfrage bekommen hast?
Ich habe kaum Serien im Fernsehen verfolgt, weil ich aufgrund meiner anderen Projekte einfach keine Zeit hatte. Aber den Titel „Alles was zählt“ kennt jeder und jeder redet darüber und weiß auch wo es läuft, so dass es mir schon ein Begriff war. Als ich die Anfrage bekommen habe, habe ich mir weniger Gedanken um die Serie gemacht als um die Rolle. Wenn es eine Rolle gewesen wäre, die ich selber nicht gemocht hätte, hätte ich es nicht gemacht. Als ich das Rollenprofil gelesen habe, hatte ich sofort eine Idee, wie ich Can spielen werde. Und ich dachte, damit kann ich das Ziel, die Menschen auf lange Sicht zu unterhalten, auf jeden Fall erfüllen. Und ich hoffe, das wird auch tatsächlich so sein und den Zuschauern gefällt Can genauso wie mir.  

Wenn du und Sam Türkisch sprecht, sprecht ihr da wirklich Türkisch?
Ja. Sam Eisenstein, der meinen Serienonkel Marian spielt, spricht sogar sehr gut Türkisch. Wir versuchen aber immer so viel Deutsch wie möglich zu sprechen, weil nur wenige Zuschauer Türkisch verstehen. Ich nenne ihn zum Beispiel immer „Amca“, das heißt Onkel… und nach einem Satz gehen wir über ins Deutsche.

Kannst du den Unterschied zwischen dir und Can definieren?
In erster Linie haben wir beide eine völlig unterschiedliche Weltanschauung. Ich als Volkan finde es wichtig, seinen Horizont ständig zu erweitern, tolerant, frei und liberal in Bezug auf andere Mitmenschen und auch auf sich selbst zu sein. Meine Rolle Can ist sehr festgefahren in seinem Werdegang und kommt aus seinem Milieu nicht raus. Er hat die Schule wahrscheinlich gar nicht zu Ende gemacht, aber da muss man die Autoren fragen. Ich finde, man muss seinen schulischen Werdegang so gestalten, dass man später selber entscheiden kann, was man macht. Can hat durch seine mangelnde Ausbildung gar keine andere Wahl, als einfache Hilfsarbeiten oder etwas Illegales zu machen, weil er nirgendwo einen Job bekommen könnte, wo er legal viel verdienen könnte. Dadurch ist er unfreier als ich. Ich als Volkan versuche immer nachhaltig zu denken, mein Leben so zu gestalten, dass ich glücklich bin und mich auch wohl fühle, und Can denkt wohl immer nur für den Moment.

Was war die bisher beste Entscheidung in deinem Leben?
Die beste Entscheidung war, dass ich mit 14 selber angefangen habe, Filme zu machen. Das war die größte Schule für mich, weil es ein autodidaktischer Prozess war. Da musste ich mir alles selber beibringen, weil ich niemanden hatte, der mir gesagt hat, wie man Filme macht. Ich habe mir andere Filme angeschaut und dann gesehen, in die Richtung muss ich gehen. Am Anfang war das alles auch noch sehr amateurhaft, aber das wurde dann mit der Zeit immer besser, weil ich mir viel Wissen über Bücher, das Internet und natürlich durch andere Filme angeeignet habe.

Andere Jugendliche gehen mit 14 zur Schule …?
Ich bin ja auch zur Schule gegangen und habe dann fast meine gesamte Freizeit dafür geopfert. Wenn meine Kollegen feiern gegangen sind, habe ich zuhause ein Drehbuch geschrieben oder einen Film gedreht oder geschnitten. Meinen ersten 80-minütigen Film habe ich mit 15 in den Osterferien gedreht. Dazu musste ich alle Beteiligten überreden, in ihren Ferien früh aufzustehen und mit mir diesen Film zu drehen. Die haben das ja dann auch aus Freundschaft zu mir gemacht und nicht, weil sie Geld dafür bekommen haben. Wir haben das nur als Hobby gemacht und hatten viel Spaß dabei. Für mich war einfach klar, ich musste diese Sachen machen, weil mich das glücklich macht. Der Moment, als der Film fertig war und wir ihn das erste Mal angeschaut haben, war ein cooles Gefühl, weil es einen zufrieden macht, wenn man selber etwas gemacht hat. Jeder Bäcker, wenn er etwas Besonderes gebacken und jeder Maurer, der etwas gebaut hat, ist sicher genauso stolz auf sein Werk.

Worum geht es in deinem letzten Film?
Der Film heißt „Zwischen dem Vorhang“ und ist ein autoreflexiver Film. Es geht um einen deutsch-türkischen Schauspieler, der zwischen gewissen Dingen steht - auf der einen Seite hat er den Traum, ein bekannter Schauspieler zu werden, auf der anderen Seite hat er eine Freundin, die von ihm verlangt, dass er einen sicheren Weg geht. So steht er zwischen zwei Nationalitäten und zwischen einem sicheren, vielleicht unglücklichen und einem unsicheren, aber zu einem Glück führenden Leben. Das Autoreflexive, was dabei mit mir zu tun hat, ist dass ich auch zwei Nationalitäten habe und Schauspieler bin … so ist der Film von mir inspiriert, aber ist keine Autobiographie. Und wer mehr wissen will, muss sich den Film anschauen.

Siehst du dich eher als Schauspieler oder eher hinter der Kamera?
Mir macht beides sehr viel Spaß, es hängt aber grundsätzlich davon ab, was für ein Projekt es ist. Es macht auch Spaß, beides zu kombinieren. Wenn ich aber als Schauspieler bei einem Projekt mitmache, möchte ich mich nicht gleichzeitig inszenieren. Filme hab ich immer nur gemacht, weil ich Lust drauf hatte. Da konnte ich mir dann aussuchen, was ich mache.

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